Dienstag, 30. März 2010
Wer Meinung mit Information verwechselt
klardeutsch, 22:55h
Vor vielen Jahren habe ich einmal die New York Times besucht, damals noch in ihrem Gebäude am Times Square. Was einem Besucher dort besonders auffiel: Nachrichtenredakteure und Kommentatoren waren streng getrennt. Sie arbeiteten auf verschiedenen Stockwerken. Es galt sogar als anrüchig, wenn sich ein Kommentator und ein Nachrichtenredakteur in der Kantine unterhielten.
Leider leiden die gelegentlich hassgefärbten Angriffe auf Journalisten aus Teilen der Netzgemeinde darunter, dass sie die Aufgaben von Journalisten durcheinanderwirbelt. Journalisten sind NICHT in erster Linie für Meinungen zuständig. Wenn es um die MEINUNGSvielfalt ginge, würde ich die Probleme des Journalismus mit weitaus weniger Besorgnis betrachten. Meinungen haben wir wie Sand am mehr - und ob Journalisten noch mehr hinzufügen sollten, das hängt in der Tat von der Räsonierfähigkeit des einzelnen Kollegen ab. Wenn ich morgens im Deutschlandfunk die Pressestimmen höre, habe ich in sehr vielen Fällen nicht das Gefühl, dass mir etwas verloren ginge, wenn diese Meinungen nicht mehr artikuliert würden.
Anders ist das, wenn es um den Grundstoff für Meinungen geht, nämlich um Fakten und Nachrichten. Viele Blogger scheinen ja zu glauben, Journalisten machen im Prinzip das selbe wie sie - herumsitzen und vor sich hinmeinen. Wenn sie ihren Job ernst nehmen, sollten Journalisten aber vor allem recherchieren und Fakten prüfen. Qualitätsnachrichten heranschaffen also, auf deren Grundlage sich dann der Einzelne seine Meinung bilden kann. Die mit derjenigen des Journalisten übereinstimmen mag - oder auch nicht.
Anders als (zum Beispiel im Gespräch der Geek Week behauptet) sind Qualitätsnachrichten nicht zu einem Preis nahe Null zu produzieren. Nachrichten zu produzieren kostet immer Geld (selbst Bürgerjournalisten investieren ja Zeit und die Kosten der Technik). Qualitätsnachrichten sind teuer. Denn um Informationen zu prüfen und zu verbreiten, bedarf es eines ausreichenden Apparates (nicht zuletzt eines Justitiats).
Wir können uns also nicht darauf verlassen, dass irgendwer die Nachrichten kostenlos produziert, ohne ein Interesse der Monetarisierung damit zu verbinden. Wenn sie nicht durch unabhängigen Journalismus produziert werden, dann eben durch entsprechende Interessengruppen, die wir oft nicht durchschauen.
Unbestritten erledigen viele Journalisten (und Verlage, die ja für deren Arbeitsbedingungen verantwortlich sind) ihr Arbeit, unabhängige Nachrichten zu produzieren, nur unzureichend. Ihnen aber weiter die finanzielle Grundlage zu entziehen und dann darauf zu verweisen, dass die Qualität sinkt, überzeugt mich nicht.
Widersprüchlich scheint mir auch der Vorwurf, dass Journalisten sowieso nur noch nach der Quote schielen würden, wenn ihnen im gleichen Atemzug vorgeworfen wird, damit am Markt vorbeizuproduzieren. Wie soll das gehen? Wenn in einer bestimmten Altersgruppe im Fernsehen die RTL-II-Nachrichten die höchste Popularität erreichen, warum sollte dann die gleiche Gruppe im Internet plötzlich nach Qualitätsinformation suchen? Wer quotenträchtige Sendungen im Fernsehen als Schrott ansieht, wird doch wohl annehmen müssen, dass ähnliches Schrott im Internet zu ähnlicher Beliebtheit aufsteigen wird. Wo, bitte schön, bleibt der der emanzipatorische Charakter des Netzes?
Leider leiden die gelegentlich hassgefärbten Angriffe auf Journalisten aus Teilen der Netzgemeinde darunter, dass sie die Aufgaben von Journalisten durcheinanderwirbelt. Journalisten sind NICHT in erster Linie für Meinungen zuständig. Wenn es um die MEINUNGSvielfalt ginge, würde ich die Probleme des Journalismus mit weitaus weniger Besorgnis betrachten. Meinungen haben wir wie Sand am mehr - und ob Journalisten noch mehr hinzufügen sollten, das hängt in der Tat von der Räsonierfähigkeit des einzelnen Kollegen ab. Wenn ich morgens im Deutschlandfunk die Pressestimmen höre, habe ich in sehr vielen Fällen nicht das Gefühl, dass mir etwas verloren ginge, wenn diese Meinungen nicht mehr artikuliert würden.
Anders ist das, wenn es um den Grundstoff für Meinungen geht, nämlich um Fakten und Nachrichten. Viele Blogger scheinen ja zu glauben, Journalisten machen im Prinzip das selbe wie sie - herumsitzen und vor sich hinmeinen. Wenn sie ihren Job ernst nehmen, sollten Journalisten aber vor allem recherchieren und Fakten prüfen. Qualitätsnachrichten heranschaffen also, auf deren Grundlage sich dann der Einzelne seine Meinung bilden kann. Die mit derjenigen des Journalisten übereinstimmen mag - oder auch nicht.
Anders als (zum Beispiel im Gespräch der Geek Week behauptet) sind Qualitätsnachrichten nicht zu einem Preis nahe Null zu produzieren. Nachrichten zu produzieren kostet immer Geld (selbst Bürgerjournalisten investieren ja Zeit und die Kosten der Technik). Qualitätsnachrichten sind teuer. Denn um Informationen zu prüfen und zu verbreiten, bedarf es eines ausreichenden Apparates (nicht zuletzt eines Justitiats).
Wir können uns also nicht darauf verlassen, dass irgendwer die Nachrichten kostenlos produziert, ohne ein Interesse der Monetarisierung damit zu verbinden. Wenn sie nicht durch unabhängigen Journalismus produziert werden, dann eben durch entsprechende Interessengruppen, die wir oft nicht durchschauen.
Unbestritten erledigen viele Journalisten (und Verlage, die ja für deren Arbeitsbedingungen verantwortlich sind) ihr Arbeit, unabhängige Nachrichten zu produzieren, nur unzureichend. Ihnen aber weiter die finanzielle Grundlage zu entziehen und dann darauf zu verweisen, dass die Qualität sinkt, überzeugt mich nicht.
Widersprüchlich scheint mir auch der Vorwurf, dass Journalisten sowieso nur noch nach der Quote schielen würden, wenn ihnen im gleichen Atemzug vorgeworfen wird, damit am Markt vorbeizuproduzieren. Wie soll das gehen? Wenn in einer bestimmten Altersgruppe im Fernsehen die RTL-II-Nachrichten die höchste Popularität erreichen, warum sollte dann die gleiche Gruppe im Internet plötzlich nach Qualitätsinformation suchen? Wer quotenträchtige Sendungen im Fernsehen als Schrott ansieht, wird doch wohl annehmen müssen, dass ähnliches Schrott im Internet zu ähnlicher Beliebtheit aufsteigen wird. Wo, bitte schön, bleibt der der emanzipatorische Charakter des Netzes?
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gregor keuschnig,
Mittwoch, 31. März 2010, 11:41
Pauschalisierungen
Ihr Beitrag krankt an Definitionsproblemen: Sie sagen nicht, was eine "Nachricht" ist und sie sagen nicht was Sie unter "Meinung" verstehen. Beide Erläuterungen wären wichtig, um Ihre Definition des Journalismus zu begreifen.
Die gängige Annahme, Journalisten seien "Gatekeeper", die in einem Meer von Meldungen aus aller Welt schwimmen und das Gute vom Bösen, das Wichtige vom Unwichtigen trennen, ist ein bisschen antiquiert. Jeder Praktikant kann heute aus dpa zitieren. Und das wird ja auch - leider - so gemacht. Mit den entsprechenden Fehlern und Falschmeldungen. Der Grund ist der Fetisch Aktualität. Hiervon zeigen sich die sogenannten Journalisten besonders angetan. Die meisten sind Aktualitätshuren geworden, insbesondere im Onlinejournalismus. Das ist aber gar kein Journalismus. Genau so wenig wie über das Betriebsjubiläum von Firma X zu berichten oder ein Gartenfest des Briefmarkenvereins. Journalisten überprüfen, recherchieren, und, das ist sehr wichtig: sie zeigen nicht nur das Vordergründige, sondern auch Hintergründe und Querverbindungen, entblössen Widersprüche, usw. Das Idealbild wäre: die ergebnisoffene Recherche. Sie wissen bestimmt, dass das ebenfalls nur noch ein Wunschtraum ist. Der Trend geht längst zum Gesinnungsjournalismus.
Wenn eine Sonja Mikich in der SZ beklagt, dass sich Journalisten nur noch "Meinungsfrisöre" sind, so sitzt sie - ohne dass sie es bemerkt - im gleichen Boot. Wo andere Lobbyjournalismus betreiben, betreibt sie Gesinnungsjournalismus. In der Sendung "Panorama" gab es einmal einen Beitrag über querulatorische Väter, der die Schulbehörden mit Eingaben zum Unterricht, Notengebung usw. überzog. Die Moderation sagte in der Abmoderation in verblüffender Ehrlichkeit, sie hätten genauso gut einen Beitrag über Eltern machen können, die die schulische Entwicklung ihrer Kinder vernachlässigen. Vermutlich wurde dieser Beitrag inzwischen auch gesendet.
Ich frage mich, welche Blogs Sie lesen um auf Ihr allzu pauschales Urteil von den vor sich hinmeinenden Bloggern zu kommen. Welche Relevanz haben diese Blogs im öffentlichen Diskurs? Von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, werden alle zitierfähigen Blogs in Deutschland von Journalisten betrieben. Die Gefahr, die Sie beschwören, existiert in diesem Sinne gar nicht. Und wenn, wird sie geflissentlich ignoriert. Desweiteren würde mich interessieren, warum Sie glauben zu wissen, dass Blogger Journalisten hassen. Nur weil man Ihnen die Gefolgschaft nicht gewährt?
Ihre Fixierung auf das Pekuniäre ist Ihre Achillesverse. Wikipedia-Autoren "arbeiten" für Nichts. Aus der Tatsache, dass es viele grottenschlechte Wikipedia-Artikel gibt, kann man aber die Diskreditierung des gesamten Projekts nicht ableiten. Damit agieren Sie exakt so, was Sie bei den anderen kritisieren. Mit Geld kann man keine Qualität kaufen.
Da ich als Blogger sicherlich für Sie nicht satisfaktionsfähig bin, kann ich mir sicherlich weitere Ausführungen sparen. Etliche Ihrer Einwände kann ich nachvollziehen (siehe auch hier http://begleitschreiben.twoday.net/stories/6224958/ - falls Sie Verlinkungen nicht gleich löschen). Aber leider ergehen sich zu sehr in eitler Selbstbespiegelung. Dass es Blogger gibt, die auf diese Provokationen hereinfallen, spielt in Ihre Karten.
Die gängige Annahme, Journalisten seien "Gatekeeper", die in einem Meer von Meldungen aus aller Welt schwimmen und das Gute vom Bösen, das Wichtige vom Unwichtigen trennen, ist ein bisschen antiquiert. Jeder Praktikant kann heute aus dpa zitieren. Und das wird ja auch - leider - so gemacht. Mit den entsprechenden Fehlern und Falschmeldungen. Der Grund ist der Fetisch Aktualität. Hiervon zeigen sich die sogenannten Journalisten besonders angetan. Die meisten sind Aktualitätshuren geworden, insbesondere im Onlinejournalismus. Das ist aber gar kein Journalismus. Genau so wenig wie über das Betriebsjubiläum von Firma X zu berichten oder ein Gartenfest des Briefmarkenvereins. Journalisten überprüfen, recherchieren, und, das ist sehr wichtig: sie zeigen nicht nur das Vordergründige, sondern auch Hintergründe und Querverbindungen, entblössen Widersprüche, usw. Das Idealbild wäre: die ergebnisoffene Recherche. Sie wissen bestimmt, dass das ebenfalls nur noch ein Wunschtraum ist. Der Trend geht längst zum Gesinnungsjournalismus.
Wenn eine Sonja Mikich in der SZ beklagt, dass sich Journalisten nur noch "Meinungsfrisöre" sind, so sitzt sie - ohne dass sie es bemerkt - im gleichen Boot. Wo andere Lobbyjournalismus betreiben, betreibt sie Gesinnungsjournalismus. In der Sendung "Panorama" gab es einmal einen Beitrag über querulatorische Väter, der die Schulbehörden mit Eingaben zum Unterricht, Notengebung usw. überzog. Die Moderation sagte in der Abmoderation in verblüffender Ehrlichkeit, sie hätten genauso gut einen Beitrag über Eltern machen können, die die schulische Entwicklung ihrer Kinder vernachlässigen. Vermutlich wurde dieser Beitrag inzwischen auch gesendet.
Ich frage mich, welche Blogs Sie lesen um auf Ihr allzu pauschales Urteil von den vor sich hinmeinenden Bloggern zu kommen. Welche Relevanz haben diese Blogs im öffentlichen Diskurs? Von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, werden alle zitierfähigen Blogs in Deutschland von Journalisten betrieben. Die Gefahr, die Sie beschwören, existiert in diesem Sinne gar nicht. Und wenn, wird sie geflissentlich ignoriert. Desweiteren würde mich interessieren, warum Sie glauben zu wissen, dass Blogger Journalisten hassen. Nur weil man Ihnen die Gefolgschaft nicht gewährt?
Ihre Fixierung auf das Pekuniäre ist Ihre Achillesverse. Wikipedia-Autoren "arbeiten" für Nichts. Aus der Tatsache, dass es viele grottenschlechte Wikipedia-Artikel gibt, kann man aber die Diskreditierung des gesamten Projekts nicht ableiten. Damit agieren Sie exakt so, was Sie bei den anderen kritisieren. Mit Geld kann man keine Qualität kaufen.
Da ich als Blogger sicherlich für Sie nicht satisfaktionsfähig bin, kann ich mir sicherlich weitere Ausführungen sparen. Etliche Ihrer Einwände kann ich nachvollziehen (siehe auch hier http://begleitschreiben.twoday.net/stories/6224958/ - falls Sie Verlinkungen nicht gleich löschen). Aber leider ergehen sich zu sehr in eitler Selbstbespiegelung. Dass es Blogger gibt, die auf diese Provokationen hereinfallen, spielt in Ihre Karten.
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chat atkins,
Freitag, 2. April 2010, 09:29
@ Gregor: Wenn ich noch einmal irgendwo "Achillesverse" lesen muss, stürze ich mich kopfüber in eine Sinnkrise.
Dass alle zitierfähigen Blogs von Journalisten gemacht würden, zeigt mir wiederum nur, welche Art von Texten du für zitierfähig hältst.
Ansonsten weitgehend d'accord ...
;-)
Dass alle zitierfähigen Blogs von Journalisten gemacht würden, zeigt mir wiederum nur, welche Art von Texten du für zitierfähig hältst.
Ansonsten weitgehend d'accord ...
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captain haddock,
Freitag, 2. April 2010, 14:22
Hunderttausend heulende und jaulende Höllenhunde!
Wenn ich nochmal "Sinnkrise" lese, suche ich nach meiner Achillesferse.
Wenn ich nochmal "Sinnkrise" lese, suche ich nach meiner Achillesferse.
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