Montag, 12. Oktober 2009
Mensch, mach' Dein Abi - Qualitätsjournalismus und die Unfähigkeit bei Zahlen
klardeutsch, 11:59h
Ach, es fällt einem manchmal schon schwer, den Qualitätsjournalismus zu verteidigen. Zum Beispiel wenn die Frankfurter Rundschau auf eine Studie des DGB hereinfällt und alle, alle schreiben ab (SpON immerhin stellt der Studie kritisch andere Ergebnisse gegenüber).
http://tinyurl.com/yfo2dhx
Der erste Absatz macht den ganzen Unsinn dieses Berichts schon deutlich:
""Mach' dein Abi, dann haste bessere Chancen." Der Rat stimmt in vielen Fällen offensichtlich nicht mehr. Die Arbeitslosigkeit von Menschen mit Fach- und Hochschulreife ist binnen eines Jahres besonders stark gestiegen."
Den ersten Satz hat Autor Tobias Schwab offensichtlich nur mal so hingeschmiert, denn er hat mit dem zweiten nichts zu tun. Der Rat heißt wohlweißlich "bessere Chancen" - nicht etwa: "absolut sicher, ohne jeden Zweifel, ganz bestimmt einen Arbeitsplatz". Deshalb stimmt der Rat auch dann noch, wenn die Zahl arbeitsloser Abiturienten innerhalb eines Jahres besondes stark gestiegen ist.
Er wurde nur dann seinen Wert verlieren, wenn die Chancen, einen Arbeitsplatz zu bekommen, mit Abitur geringer wären als ohne. Das ist nicht zu erwarten.
Es ist mir völlig schleierhaft wie man - außer man ist an politischer Manipulation interessiert - die Prozentzahlen ohne die absoluten Zahlen nennen kann - und ohne sie ins Verhältnis zu setzen mit der Situation in der Gesamtbevölkerung.
Kann es nicht sein, dass aufgrund des Wirtschaftswachstum und der guten Situation auf dem Arbeitsmarkt Anfang des vergangenen Jahres die Zahl der arbeitslosen Abiturienten sehr niedrig war. Wenn die Quote bei, sagen wir, zwei Prozent lag, dann wäre bei einer Quote von 2,5% eine Steigerung um 25% zu verzeichnen. Wenn andererseits die Quote der arbeitslosen Schulabgänger ohne Abschluss bereits damals schon sehr hoch war, dann würde eine geringere Steigerung in absoluten Zahlen deutlich mehr Betroffene bedeuten.
Das gleiche gilt für die Hartz-IV-Angaben. Wenn zum Beispiel bislang einer von hundert Hochschulabsolventen Hartz-IV-Empfänger gewesen wäre, und mitten in der Krise sind es zwei von hundert, dann haben wir es mit einer VERDOPPLUNG zu tun. Es wären aber immer noch nur zwei Prozent - gleichzeitig ist es sehr gut möglich, dass jeder Dritte Schulabgänger ohne Abschluss zum Hartz-IV-Empfänger wird. Dann wäre es trotz einer Verdopplung der Zahlen bei Hochschulabgängern immer noch sinnvoll, ein Studium zu absolvieren.
Hätte die Frankfurter Rundschau ehrlich mit den Zahlen operiert, wäre dabei herausgekommen, was bei diesen Studien (zumindest in Deutschland, in Russland,Griechenland oder Tunesien mag das anders sein) immer herauskommt: "Mach' dein Abitur, dann hast du bessere Chancen." Im allerletzten Absatz des Artikels gibt der Autor das sogar zu. Dort heißt es: "Denn die Arbeitslosenquote sei für gerinqualifizierte Arbeitskräfte immer noch fünfmal größer als bei jenen mit hohen formalen Bildungsniveau." Mit anderen Worten schreibt der Autor hier: Mein erster Satz stimmt gar nicht.
Aber man hätte es mit redlichem Journalismus vermutlich nicht geschafft, bei anderen, schlampig arbeitenden Medien so oft zitiert zu werden.
http://tinyurl.com/yfo2dhx
Der erste Absatz macht den ganzen Unsinn dieses Berichts schon deutlich:
""Mach' dein Abi, dann haste bessere Chancen." Der Rat stimmt in vielen Fällen offensichtlich nicht mehr. Die Arbeitslosigkeit von Menschen mit Fach- und Hochschulreife ist binnen eines Jahres besonders stark gestiegen."
Den ersten Satz hat Autor Tobias Schwab offensichtlich nur mal so hingeschmiert, denn er hat mit dem zweiten nichts zu tun. Der Rat heißt wohlweißlich "bessere Chancen" - nicht etwa: "absolut sicher, ohne jeden Zweifel, ganz bestimmt einen Arbeitsplatz". Deshalb stimmt der Rat auch dann noch, wenn die Zahl arbeitsloser Abiturienten innerhalb eines Jahres besondes stark gestiegen ist.
Er wurde nur dann seinen Wert verlieren, wenn die Chancen, einen Arbeitsplatz zu bekommen, mit Abitur geringer wären als ohne. Das ist nicht zu erwarten.
Es ist mir völlig schleierhaft wie man - außer man ist an politischer Manipulation interessiert - die Prozentzahlen ohne die absoluten Zahlen nennen kann - und ohne sie ins Verhältnis zu setzen mit der Situation in der Gesamtbevölkerung.
Kann es nicht sein, dass aufgrund des Wirtschaftswachstum und der guten Situation auf dem Arbeitsmarkt Anfang des vergangenen Jahres die Zahl der arbeitslosen Abiturienten sehr niedrig war. Wenn die Quote bei, sagen wir, zwei Prozent lag, dann wäre bei einer Quote von 2,5% eine Steigerung um 25% zu verzeichnen. Wenn andererseits die Quote der arbeitslosen Schulabgänger ohne Abschluss bereits damals schon sehr hoch war, dann würde eine geringere Steigerung in absoluten Zahlen deutlich mehr Betroffene bedeuten.
Das gleiche gilt für die Hartz-IV-Angaben. Wenn zum Beispiel bislang einer von hundert Hochschulabsolventen Hartz-IV-Empfänger gewesen wäre, und mitten in der Krise sind es zwei von hundert, dann haben wir es mit einer VERDOPPLUNG zu tun. Es wären aber immer noch nur zwei Prozent - gleichzeitig ist es sehr gut möglich, dass jeder Dritte Schulabgänger ohne Abschluss zum Hartz-IV-Empfänger wird. Dann wäre es trotz einer Verdopplung der Zahlen bei Hochschulabgängern immer noch sinnvoll, ein Studium zu absolvieren.
Hätte die Frankfurter Rundschau ehrlich mit den Zahlen operiert, wäre dabei herausgekommen, was bei diesen Studien (zumindest in Deutschland, in Russland,Griechenland oder Tunesien mag das anders sein) immer herauskommt: "Mach' dein Abitur, dann hast du bessere Chancen." Im allerletzten Absatz des Artikels gibt der Autor das sogar zu. Dort heißt es: "Denn die Arbeitslosenquote sei für gerinqualifizierte Arbeitskräfte immer noch fünfmal größer als bei jenen mit hohen formalen Bildungsniveau." Mit anderen Worten schreibt der Autor hier: Mein erster Satz stimmt gar nicht.
Aber man hätte es mit redlichem Journalismus vermutlich nicht geschafft, bei anderen, schlampig arbeitenden Medien so oft zitiert zu werden.
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