Freitag, 24. Februar 2012
Warum Gauck wählbar ist
klardeutsch, 12:26h
"#Gauck ist für #VDS, findet die Überwachung der Linken gut, äußerte sich abfällig über #Occupy. Und lobte Sarrazin. Darum unwählbar!" Über diesen Tweet von Jule Probst ist schon viel geschrieben worden. Aber fast alle Kommentare bezogen sich darauf, dass sich die Bloggerin auf Zitate stützt, die aus dem Zusammenhang gerissen und zudem falsch oder nur halb verstanden wurden.
Seltsamerweise echauffierte sich kaum jemand über die Schlussfolgerung, das "darum unwählbar". Dabei steckt in diesen zwei Worten ein ebenso fragwürdiges Verhältnis zur freiheitlich-demokratischen Gesellschaft. Mag sein, dass die beiden Worte nur der Kürze der 140 Zeichen geschuldet sind. Aber dann beweist dies erneut, wie wenig differenziert und sinnvoll man auf Twitter argumentieren kann, denn es gibt einen großen Unterschied zwischen "unwählbar" und "würde ich nicht wählen".
Selbst wenn Gauck die ihm unterstellten Positionen vertreten würde (was er nicht tut), wäre er nicht unwählbar, denn man kann diese Positionen mit zumindest abwägenswerten, wenn auch nicht in allen Fällen überzeugenden Argumenten vertreten. "Unwählbar" wäre ein Kandidat (wie etwa beim letzten Mal der NPD-Mann), der die freiheitliche Grundordnung in Frage stellt. Das kann man Gauck nun beileibe nicht unterstellen.
Natürlich steht es jedem frei, andere Ansichten zu vertreten als Gauck, so wie es Anatol Stefanowitch tut (http://www.scilogs.de/wblogs/index.php?op=ViewArticle&articleId=3466&blogId=42). Dann sollte man, wenn man Wahlperson in der Bundesversammmlung wird, nicht für den Mann stimmen. Ihn aber deshalb für unwählbar zu halten, ist Ausdruck einer politische Arroganz, einer Haltung nach dem Motto "wählbar ist nur, wer die gleichen Ansichten vertritt wie ich".
Diese Haltung bricht sich leider immer wieder Bahn und verweist darauf, wie schwierig es ist, in einer Massengesellschaft differenzierte intellektuelle Debatten zu führen, wie es nicht zuletzt in diesem SpOn-Artikel deutlich wird: http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,817275,00.html
Gaucks Problem als Bundespräsident wird sein, dass er zu klug und zu intellektuell für die Debatten der Massenkommunikation ist.
Man würde sich von den Kritikern Gaucks wünschen, dass sie ihre Worte genauso trennscharf und genau setzen wie der Kandidat selbst - statt dessen produzieren sie, was die Massenkommunikation von ihnen verlangt, egal ob auf Twitter oder in den traditionellen Massenmedien: inhaltsarme Denkblasen.
Seltsamerweise echauffierte sich kaum jemand über die Schlussfolgerung, das "darum unwählbar". Dabei steckt in diesen zwei Worten ein ebenso fragwürdiges Verhältnis zur freiheitlich-demokratischen Gesellschaft. Mag sein, dass die beiden Worte nur der Kürze der 140 Zeichen geschuldet sind. Aber dann beweist dies erneut, wie wenig differenziert und sinnvoll man auf Twitter argumentieren kann, denn es gibt einen großen Unterschied zwischen "unwählbar" und "würde ich nicht wählen".
Selbst wenn Gauck die ihm unterstellten Positionen vertreten würde (was er nicht tut), wäre er nicht unwählbar, denn man kann diese Positionen mit zumindest abwägenswerten, wenn auch nicht in allen Fällen überzeugenden Argumenten vertreten. "Unwählbar" wäre ein Kandidat (wie etwa beim letzten Mal der NPD-Mann), der die freiheitliche Grundordnung in Frage stellt. Das kann man Gauck nun beileibe nicht unterstellen.
Natürlich steht es jedem frei, andere Ansichten zu vertreten als Gauck, so wie es Anatol Stefanowitch tut (http://www.scilogs.de/wblogs/index.php?op=ViewArticle&articleId=3466&blogId=42). Dann sollte man, wenn man Wahlperson in der Bundesversammmlung wird, nicht für den Mann stimmen. Ihn aber deshalb für unwählbar zu halten, ist Ausdruck einer politische Arroganz, einer Haltung nach dem Motto "wählbar ist nur, wer die gleichen Ansichten vertritt wie ich".
Diese Haltung bricht sich leider immer wieder Bahn und verweist darauf, wie schwierig es ist, in einer Massengesellschaft differenzierte intellektuelle Debatten zu führen, wie es nicht zuletzt in diesem SpOn-Artikel deutlich wird: http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,817275,00.html
Gaucks Problem als Bundespräsident wird sein, dass er zu klug und zu intellektuell für die Debatten der Massenkommunikation ist.
Man würde sich von den Kritikern Gaucks wünschen, dass sie ihre Worte genauso trennscharf und genau setzen wie der Kandidat selbst - statt dessen produzieren sie, was die Massenkommunikation von ihnen verlangt, egal ob auf Twitter oder in den traditionellen Massenmedien: inhaltsarme Denkblasen.
... link (2 Kommentare) ... comment
... older stories