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Donnerstag, 1. Juli 2010
Die Währungsreform kommt - mit hundertprozentiger Sicherheit
klardeutsch, 15:32h
Bei einem Zwischenstopp in der Heimat lese ich mal wieder die Fuldaer Zeitung, bei der ich einst volontiert habe. In der heutigen Ausgabe schreiben dort zwei Kolumnisten. Zum einen fordert der unter dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom leidende Hans-Olaf Henkel (will sagen: Herr Henkel leidet schrecklich unter einem Mangel an Aufmerksamkeit für seine Person), dass die D-Mark wiedereingeführt gehört, weil ja die Südländer (zu denen er Frankreich zählt) Schuldenkönige sind im Vergleich zu Deutschland (zur Erinnerung: die Gesamtschuldenlast z.B. Spaniens ist niedriger als die deutsche).
Zum zweiten darf sich auf der Wirtschaftsseite Rainer Heißmann verbreiten, der Chefredakteur der Zeitschrift „Der Optionen-Profi“. In einem Artikel auf der Website des herausgebenden GeVestor-Verlages schreibt Herr Heißmann: „Aber nie, wirklich nie, schreibe ich hier einen Kommentar, allein aufgrund eines Titels, den ich lese. Und nie empfehle ich im Option Advisor oder Optionen-Profi eine Option aufgrund solch unvollständiger Informationen.“
Mit anderen Worten: auch wir sollten mit kritischem Verstand an seine Artikel herangehen.
Der „Optionen-Profi“ kostet in der Woche (!) 28,80 Euro, macht im Jahr bei 52 Ausgaben 1.497,60 Euro. Das ist ein Haufen Geld. Dafür kann ich wohl verlangen, dass der Chefredakteur Statistiken richtig auswertet, wie er uns in dem Web-Artikel verspricht.
In seinem Artikel für die Fuldaer Zeitung schreibt Heißmann: „Ich habe bei einem Seminar gesagt, ich sehe eine Wahrscheinlichkeit von 3 Prozent, dass eine Währungsreform kommt. Das war 2009. Danach liegt die Wahrscheinlichkeit 2011 bei 9 Prozent. Grund genug, Vorbereitungen zu treffen.“
Nun fragt sich der kritische Leser: Wie errechnet man die Wahrscheinlichkeit einer Währungsreform? Welche Daten liegen einer solchen Berechnung zugrunde? Und wieso erscheint es so völlig logisch, dass diese Wahrscheinlichkeit jedes Jahr um genau diese drei Prozent wächst? Wieso spielen offenbar keinerlei andere Faktoren eine Rolle? Bedeutet dies, dass 2012 die Wahrscheinlichkeit bei 12 Prozent liegt, 2013 bei 15 Prozent, 2014 bei 18 Prozent, 2015 bei 21 Prozent und so weiter? Das heißt: Spätestens im Jahre 2043 ist mit absoluter Sicherheit mit einer Währungsreform zu rechnen, sollte sie bis dahin nicht eingetreten sein (geht dann die Zählung von vorne los?)
Warum ist eine Wahrscheinlichkeit von neun Prozent Grund genug zum Handeln? Man könnte sich eine Wahrscheinlichkeit von neun Prozent so vorstellen, dass in hundert zufällig ausgewählten Jahren 2012 in neun davon eine Währungsreform stattfindet. In 91 davon aber nicht.
Wie sinnvoll sollte es also sein, eine Anlagestrategie für sein Geld zu wählen, die in mehr als neun von zehn Fällen wirtschaftlich unklug ist, zum Beispiel weil sie keine Zinsen erbringt (etwa Gold zu kaufen, wie Herr Heißmann im Verlaufe des Artikels empfiehlt mit den Worten: „Gold und Silber ‚müssen‘ Sie haben.“ Die Anführungszeichen bei „müssen“ stehen auch im Original und man fragt sich: was sollen sie bedeuten?)
Das Gold soll man übrigens zuhause (Verzeihung, wörtlich und wieder in Anführungszeichen „zu Hause“) aufbewahren, weil der Staat ja die Bankschließfächer versiegeln könnte.
Offenbar hat Herr Heißmann die Wahrscheinlichkeit ausgerechnet, dass mit der Währungsreform auch noch die Verfassung aufgehoben wird. Da kann man dem Mann nur zustimmen: „Sicher ist: Es wird schlimm!“ Aber im nächsten Jahr beruhigenderweise nur in weniger als einem von zehn Fällen.
Zum zweiten darf sich auf der Wirtschaftsseite Rainer Heißmann verbreiten, der Chefredakteur der Zeitschrift „Der Optionen-Profi“. In einem Artikel auf der Website des herausgebenden GeVestor-Verlages schreibt Herr Heißmann: „Aber nie, wirklich nie, schreibe ich hier einen Kommentar, allein aufgrund eines Titels, den ich lese. Und nie empfehle ich im Option Advisor oder Optionen-Profi eine Option aufgrund solch unvollständiger Informationen.“
Mit anderen Worten: auch wir sollten mit kritischem Verstand an seine Artikel herangehen.
Der „Optionen-Profi“ kostet in der Woche (!) 28,80 Euro, macht im Jahr bei 52 Ausgaben 1.497,60 Euro. Das ist ein Haufen Geld. Dafür kann ich wohl verlangen, dass der Chefredakteur Statistiken richtig auswertet, wie er uns in dem Web-Artikel verspricht.
In seinem Artikel für die Fuldaer Zeitung schreibt Heißmann: „Ich habe bei einem Seminar gesagt, ich sehe eine Wahrscheinlichkeit von 3 Prozent, dass eine Währungsreform kommt. Das war 2009. Danach liegt die Wahrscheinlichkeit 2011 bei 9 Prozent. Grund genug, Vorbereitungen zu treffen.“
Nun fragt sich der kritische Leser: Wie errechnet man die Wahrscheinlichkeit einer Währungsreform? Welche Daten liegen einer solchen Berechnung zugrunde? Und wieso erscheint es so völlig logisch, dass diese Wahrscheinlichkeit jedes Jahr um genau diese drei Prozent wächst? Wieso spielen offenbar keinerlei andere Faktoren eine Rolle? Bedeutet dies, dass 2012 die Wahrscheinlichkeit bei 12 Prozent liegt, 2013 bei 15 Prozent, 2014 bei 18 Prozent, 2015 bei 21 Prozent und so weiter? Das heißt: Spätestens im Jahre 2043 ist mit absoluter Sicherheit mit einer Währungsreform zu rechnen, sollte sie bis dahin nicht eingetreten sein (geht dann die Zählung von vorne los?)
Warum ist eine Wahrscheinlichkeit von neun Prozent Grund genug zum Handeln? Man könnte sich eine Wahrscheinlichkeit von neun Prozent so vorstellen, dass in hundert zufällig ausgewählten Jahren 2012 in neun davon eine Währungsreform stattfindet. In 91 davon aber nicht.
Wie sinnvoll sollte es also sein, eine Anlagestrategie für sein Geld zu wählen, die in mehr als neun von zehn Fällen wirtschaftlich unklug ist, zum Beispiel weil sie keine Zinsen erbringt (etwa Gold zu kaufen, wie Herr Heißmann im Verlaufe des Artikels empfiehlt mit den Worten: „Gold und Silber ‚müssen‘ Sie haben.“ Die Anführungszeichen bei „müssen“ stehen auch im Original und man fragt sich: was sollen sie bedeuten?)
Das Gold soll man übrigens zuhause (Verzeihung, wörtlich und wieder in Anführungszeichen „zu Hause“) aufbewahren, weil der Staat ja die Bankschließfächer versiegeln könnte.
Offenbar hat Herr Heißmann die Wahrscheinlichkeit ausgerechnet, dass mit der Währungsreform auch noch die Verfassung aufgehoben wird. Da kann man dem Mann nur zustimmen: „Sicher ist: Es wird schlimm!“ Aber im nächsten Jahr beruhigenderweise nur in weniger als einem von zehn Fällen.
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